Privat

Mein Leben danach

Vor wenigen Wochen habe ich einen sehr persönlichen Blogpost verfasst: „Hass unter dem Deckmantel der Liebe“. Ihr findet ihn hier:

http://kathrinmarie.de/?p=398

Ich habe euch von einem Mann erzählt, der später sogar „mein“ Mann wurde. Wenn auch nicht dauerhaft… Seitdem erreichen mich regelmäßig E-Mails. Ganz liebe Nachrichten, aber auch Fragen bekomme ich. Und heute möchte ich mich diesem Thema noch einmal widmen. Denn eine der häufigsten Fragen war: „Wie lebst du heute damit?“ oder „Wie wirkt sich deine Vergangenheit auf dein jetziges Leben aus“? Ich möchte euch heute gerne darauf antworten. Heute ist einiges anders…

Das, was ich erlebt habe, nennt man schlicht „häusliche Gewalt“. Gewaltakte, welche durch den eigenen Partner durchgeführt werden. Im Strafrecht werden diese Taten als „(schwere) Körperverletzung“ gewertet. Die wenigsten Frauen schaffen es tatsächlich, sich von ihrem Partner loszusagen und auch rechtliche Schritte gehen ihn einzuleiten. Ich möchte heute eure Fragen beantworten:)

  • Hast du ihn angezeigt?
    Ja, habe ich. Mehrere Wochen nach der Trennung habe ich mich dazu entschlossen, Anzeige zu erstatten. Ich machte eine mehrstündige Aussage bei der Kriminalpolizei am Wohnort. Nach einigen Wochen erhielt ich die Benachrichtigung, dass meine Aussage reichte, der Staatsanwalt hatte Anklage erhoben. Meine Beweise waren aussagekräftig genug.
  • Wie sieht dein Leben heute aus?
    Mir geht es wirklich gut! Ich habe mit der Vergangenheit abgeschlossen und mit den Ereignissen meinen Frieden gemacht. Natürlich würde ich heute vieles anders machen, so eine Scheiße nicht mehr hinnehmen. Doch alles, was passiert ist, hat mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin. Ich denke ab und an noch einmal an meine Erlebnisse, doch ich hänge ihnen nicht nach, da ich ihnen keinen Platz mehr in meinem Leben einräumen möchte.
  • Wie wirken sich deine Erlebnisse auf dein Leben heute aus?
    Heute bin ich viel achtsamer und gehe viel besser mit mir um. Ich weiß genau, was ich will und was nicht. Natürlich habe ich ab und an noch mal Träume, die mich an das Erlebte erinnern. Aber sie werden viel seltener und nur in akuten Stressphasen konfrontiert mich mein Unterbewusstsein mit Episoden aus dieser Zeit.
  • Wie hat sich das Erlebte auf deine Psyche ausgewirkt?
    Während der Beziehung habe ich die erste und einzige Panikattacke in meinem Leben erlitten. Ich habe noch nie etwas derartiges erlebt. Allerdings weiß ich heute, dass die Attacke die einzige Chance für meinen Körper war, um mit dem Geschehenen klar zu kommen. Damals hatte ich reale Todesangst- natürlich wehrt sich der Körper und macht dicht. Ich hätte sie nur als das sehen sollen, was sie war: ein Warnschuss meiner Seele. Seitdem habe ich keine Panik mehr empfunden. Ich lebe bewusster und ich möchte meine Zeit nur mit Menschen verbringen, die gut für mich sind, die mein Leben bereichern. Ich habe mittlerweile kein Problem mehr damit, zwischenmenschliche Beziehungen zu beenden, wenn sie mir weh tun. Was bringt es mir, an etwas festzuhalten, was mich nur belastet?
  • Wie sah die Gewalt aus?
    Mein Ex-Mann war kein krasser Schläger. Er hat mich nicht „windelweich“ geschlagen, sondern mir immer wieder mal körperlich weh getan.
  • Warum hast es so lange ausgehalten?
    Menschen wie er verstehen es blendend, dich zu beeinflussen. Mir wurde ständig gesagt: „Sei froh, dass du mich hast. Dich will doch sowieso kein anderer.“ Und ich war all die Jahre blind und taub. Ich war verliebt. Ich wusste, wie krank dieser Mann war und ich wusste, dass er mir großes Unrecht antat- aber ich blieb. Ich war lethargisch und wollte mich der Wahrheit nicht stellen. Es hätte bedeutet, das Leben, welches ich seit Jahren kannte, aufzugeben und neu anzufangen. Davor hatte ich Angst, ich dachte, ich könnte nicht allein sein.
  • Merkst du das Erlebte heute in Sachen Liebe und Männern?
    Natürlich! Es fällt mir nicht mehr so leicht, zu vertrauen oder mich auf einen Mann einzulassen. Ich habe logischerweise Angst, erneut einen solchen Menschen kennen zu lernen, mich zu verlieben und später herauszufinden, wie er wirklich tickt. Ich brauche einfach eine gewisse Zeit, um vertrauen zu können. Und ich verliebe mich langsam. Für mich muss Liebe heute wachsen. Ich stürze mich nicht Hals über Kopf in irgendwelche Geschichten.
  • Erzählst du anderen von den Erlebnissen? Wie reagieren sie?
    Ich habe eine Art Schutzmauer um mich herum gebaut. Es ist nicht leicht für mich, diese abzubauen. Ganz selten lerne ich Menschen kennen, die es wert sind, diesen Schutz abzulegen. Einige reagieren unverständlich auf meine Art, dabei will ich erst mal beobachten und nicht sofort meinen Kopf verlieren, sobald ich jemanden mag.
  • Bist du beziehungsunfähig?
    Nein! Absolut nicht. Ich habe mich nach meinem Ex-Mann auf neue Beziehungen eingelassen. Ich brauche zwar etwas länger, um jemandem zu vertrauen, aber meinen Glauben an die Liebe habe ich nicht aufgegeben.

    Ich hoffe, ich konnte eure Fragen zufriedenstellend beantworten. Damit möchte ich dieses Thema auf meinem Blog auch gerne schließen:)

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